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Ich verstehe dein Problem nicht! Verständnis oder Vermeidung?

Man kennt diesen Signalsatz „Ich verstehe dein Problem nicht“ nur allzugut aus dem Projektalltag. Ich persönlich werde hier immer wieder hellhörig und versuche zu erkennen, ob es eine Abwehrhaltung oder ein Versuch einer Manipulation ist. Insbesondere, wenn komplexe Sachverhalte oder Gefühle Dritter mit diesem Signalsatz quasi heruntergespielt werden. Personen, die ständig behaupten, sie verstünden das Problem anderer nicht, können verschiedene Gründe für ihr Verhalten haben. Nehmen wir einmal zwei aus vielen Gründen heraus.

In einigen Fällen mag es eine Abwehrhaltung sein, um sich nicht mit den Anliegen oder Sorgen anderer auseinandersetzen zu müssen. Diese Personen könnten Schwierigkeiten haben, Empathie zu zeigen und sich in die Lage anderer Menschen zu versetzen. Dadurch entsteht eine Kluft in der Kommunikation, die dazu führen kann, dass sich die Betroffenen nicht verstanden oder respektiert fühlen.

Es ist auch möglich, dass diese Aussage als eine Form von Machtspiel oder Manipulation verwendet wird, um die Bedeutung oder Ernsthaftigkeit eines Problems herunterzuspielen und so Verantwortung oder Unterstützung zu vermeiden. Es kann frustrierend sein, mit solchen Personen zu interagieren, da sie möglicherweise bewusst das Verständnis verweigern, um sich in einer überlegenen Position zu sehen.

Um ernsthaft ein Stakeholder-Management betreiben zu können, sollten solche Muster- oder Signalsätze erkannt werden und in welchem Kontext diese eine Rolle im Projekt spielen könnten. Personen, die ständig behaupten, sie verstünden das Problem anderer nicht, könnten verschiedene Verhaltensmuster zeigen, die für das Verständnis ihrer Einstellung relevant sind. Hier liste ich noch ein paar solcher Absichten auf:

  1. Abwehrhaltung: Indem sie vorgeben, das Problem nicht zu verstehen, setzen sie möglicherweise eine emotionale Barriere auf, um sich nicht mit den Sorgen anderer auseinandersetzen zu müssen. Dadurch können sie sich vor unangenehmen oder belastenden Situationen schützen.
  2. Mangel an Empathie: Das Unvermögen, sich in die Lage anderer Menschen zu versetzen, kann darauf hindeuten, dass diese Personen Schwierigkeiten haben, die Perspektiven und Gefühle anderer zu erkennen oder zu verstehen.
  3. Bagatellisierung: Manche Menschen neigen dazu, Probleme anderer herunterzuspielen oder als unwichtig abzutun, um sich selbst als überlegen darzustellen oder ihre eigenen Schwierigkeiten zu relativieren (siehe auch Attributionsprozess um Unsicherheit oder -kenntnis zu überspielen).
  4. Kommunikationsprobleme: Personen, die behaupten, das Problem nicht zu verstehen, könnten Schwierigkeiten haben, effektiv zu kommunizieren oder ihre eigenen Gedanken und Gefühle klar auszudrücken.
  5. Machtkampf und Manipulation: Die Aussage „Ich verstehe dein Problem nicht“ kann als taktische Strategie eingesetzt werden, um die Situation zu dominieren und die Verantwortung für eine Lösung auf andere abzuwälzen.
  6. Unausgesprochene Vorbehalte: Es ist möglich, dass diese Personen tatsächlich bestimmte Vorbehalte oder Vorurteile gegenüber den Anliegen oder der Person haben, mit der sie interagieren, und aus diesem Grund Unverständnis vortäuschen.
  7. Selbstbezogenheit: Personen mit einem stark ausgeprägten Egozentrik können Schwierigkeiten haben, sich auf die Anliegen anderer einzulassen, da sie hauptsächlich ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen in den Mittelpunkt stellen.

Um ein konstruktives Miteinander zu fördern, ist es wichtig, solche Verhaltensmuster zu erkennen, offen anzusprechen oder als Projektleiter eine moderationsform zu wählen, die diesem entgegenwirkt. Offene Kommunikation und das Bemühen um gegenseitiges Verständnis tragen dazu bei, Missverständnisse zu klären und einen positiven Austausch zu ermöglichen (z.B. Retrospektiven). Als Projektleiter sollte man Menschen ermutigen, ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken, und es sollte Raum für einen konstruktiven Dialog geschaffen werden, um Missverständnisse zu klären und eine positive Interaktion zu ermöglichen.

 

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